Usability Engineering – Gesetze, Verordnungen, Normen

Gestaltungsrichtlinien/Design-Guidelines

Unter Gestaltungsrichtlinien, bzw. Design-Guidelines versteht man Prinzipien, die zu einem gebrauchstauglichen System führen sollen. Gestaltungsrichtlinien können Regeln oder Richtlinien sein, die vorgeben, wie ein bestimmtes Teilsystem gestaltet werden soll. Weiterhin gehören hierzu Normen, wie die im Folgenden beschriebene DIN EN ISO 9241. In der Literatur werden vielerlei Prinzipien beschrieben, wie interaktive Anwendungen gestaltet werden sollten. Die am häufigsten zitierten Prinzipien sind hierbei die Ten Usability Heuristics (Rolf Molich und Jakob Nielsen), die First Principles of Interaction Design (Bruce Tognazzini von der Donald Norman Group), die 7 Principles of Design (Donald Norman selbst), die Eight Golden Rules of Interface Design (Ben Shneiderman), die Human Interface Design Principles (Apple Computers) und zu guter Letzt die Microsoft Windows Guidelines for User Interface Developers (Microsoft) [5]. Hierbei wird hauptsächlich Bezug auf die Bestandteile der Benutzungsschnittstelle (User Interface) genommen, die für den Benutzer notwendige Informationen und Steuerelemente zur Verfügung stellen, um eine bestimmte Arbeitsaufgabe zu erledigen.

DIN EN ISO 9241 – Ergonomie der Mensch-System- Interaktion

DIN-Normen haben grundsätzlich den Charakter von Empfehlungen, deren Anwendung jedem freigestellt ist. Verbindlich werden DIN-Normen erst, wenn diese in privaten Verträgen vereinbart oder in Gesetzen und Verordnungen auf sie Bezug genommen wird und dort deren Anwendung festgelegt wird. Durch ihre eindeutige Aussagekraft, lässt sich durch sie einzelvertraglich vereinbarte Verbindlichkeit erzeugen. Die Bezugnahme in Gesetzen und Verordnungen entlastet den Staat und die Bürger von rechtlichen Detailregelungen. Auch wenn DIN-Normen von Vertragsparteien nicht zum Inhalt eines Vertrages gemacht worden sind, dienen sie im Streitfall wegen Sachmängeln (Kauf- und Werkvertragsrecht) als Entscheidungshilfe. Hierbei besteht grundsätzlich die Vermutung, dass die DIN-Normen den anerkannten Regeln der Technik entsprechen. Eine solche Vermutung kann dennoch erschüttert oder widerlegt werden, etwa wenn erst ein unfertiger Normentwurf besteht oder durch ein Sachverständigengutachten. Die DIN EN ISO 9241 gilt nach EU-Rechtsprechung auch als Standard zur Bewertung der Forderung nach Benutzerfreundlichkeit aus der Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV). [1] Zurzeit besteht die Normenreihe aus über 30 Teilen. Hier relevant sind die Teile 11-17 und 110, welche die Aspekte der Software-Ergonomie behandeln. Unter Software-Ergonomie (engl.: Usability-Engineering) versteht man, leicht verständliche und schnell benutzbare Software unter gegebenen technischen Möglichkeiten und unter der Einhaltung von Standards und Styleguides herzustellen. Sie ist Teil der Mensch-Computer-Interaktion. Das Ergebnis der Software-Ergonomie ist die Gebrauchstauglichkeit von Computer-Programmen. [2]

Teil 110: Grundsätze der Dialoggestaltung

Die sieben Grundsätze der Dialoggestaltung (wörtliche Zitate aus [9]):

  1. Aufgabenangemessenheit: Ein Dialog ist aufgabenangemessen, wenn er den Nutzer unterstützt, seine Arbeitsaufgabe effektiv und effizient zu erledigen.
  2. Selbstbeschreibungsfähigkeit: Ein Dialog ist selbstbeschreibungsfähig, wenn jeder einzelne Dialogschritt durch Rückmeldung des Dialogsystems unmittelbar verständlich ist oder dem Benutzer auf Anfrage erklärt wird.
  3. Erwartungskonformität: Ein Dialog ist erwartungskonform, wenn er konsistent ist und den Merkmalen des Benutzers entspricht, z. B. seinen Kenntnissen aus dem Arbeitsgebiet und seiner Erfahrung sowie den allgemein anerkannten Konventionen.
  4. Steuerbarkeit: Ein Dialog ist steuerbar, wenn der Benutzer in der Lage ist, den Dialogablauf zu starten sowie seine Richtung und Geschwindigkeit zu beeinflussen, bis das Ziel erreicht ist.
  5. Individualisierbarkeit: Ein Dialog ist individualisierbar, wenn das Dialogsystem Anpassungen an die Erfordernisse der Arbeitsaufgabe sowie an die individuellen Fähigkeiten des Benutzers zulässt.
  6. Lernförderlichkeit: Ein Dialog ist lernförderlich, wenn er den Benutzer beim Erlernen des Dialogsystems unterstützt und anleitet.
  7. Fehlertoleranz: Ein Dialog ist fehlertolerant, wenn das beabsichtigte Arbeitsergebnis trotz erkennbarer fehlerhafter Eingaben entweder mit keinem oder minimalem Korrekturaufwand seitens des Benutzers erreicht werden kann.

Ergänzt wurden die sieben Grundsätze der Dialoggestaltung durch die Multimedianorm vom Mai 2000 DIN EN ISO 14915 Software-Ergonomie für Multimedia-Benutzungsschnittstellen Teil 1: Gestaltungsgrundsätze und Rahmenbedingungen um vier weitere Grundprinzipien (wörtliche Zitate aus [10]):

  1. Eignung für das Kommunikationsziel: Verwendete Informationen / Medien unterstützen die intendierten Kommunikationsziele.
  2. Eignung für Wahrnehmung und Verständnis: Inhalte sind so aufbereitet, dass sie gut rezipiert werden können und leicht verständlich sind.
  3. Eignung für die Exploration: Informationen sollen gut strukturiert sein, so dass die Erkundung der Informationen und das Stöbern in den Informationen leicht ist.
  4. Eignung für die Benutzungsmotivation: Das Programm soll zur Benutzung motivieren und eine hohe Bindung des Nutzers erreichen. [2]

Teile 11 – 17

Teil 11: Anforderungen an die Gebrauchstauglichkeit – Leitsätze Die Gebrauchstauglichkeit wird definiert als “das Ausmaß, in dem ein Produkt durch bestimmte Benutzer in einem bestimmten Nutzungskontext genutzt werden kann, um bestimmte Ziele effektiv, effizient und zufriedenstellend zu erreichen.” [6] Teil 12: Informationsdarstellung Teil 13: Benutzerführung Teil 14: Dialogführung mittels Menüs Teil 15: Dialogführung mittels Kommandosprachen Teil 16: Dialogführung mittels direkter Manipulation Teil 17: Dialogführung mittels Bildschirmformularen

Arbeitsschutzgesetz

1996 trat das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) in Kraft, dessen Ziel es ist, die Gesundheit aller Beschäftigten durch Maßnahmen des Arbeitsschutzes zu sichern und zu verbessern (§ 1). Im Rahmen des Arbeitsschutzgesetzes trat Ende 1996 die Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV) in Kraft, deren Ziel die Regelung des Gesundheitsschutzes bei der Arbeit an Bildschirmen ist.

 

[1] Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/EN_ISO_9241

[2] Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Softwareergonomie

[5] Hendrik Arndt: Integrierte Informationsarchitektur 2006, Springer-Verlag Heidelberg

[6] DIN: Ergonomische Anforderungen für Bürotätigkeiten mit Bildschirmgeräten – Teil 11: Anforderungen an die Gebrauchstauglichkeit; Leitsätze (ISO 9241-11:1998) , Beuth Verlag Berlin

[9] DIN: Ergonomie der Mensch-System-Interaktion – Teil 110: Grundsätze der Dialoggestaltung (ISO 9241-110:2006), Beuth Verlag Berlin

[10] DIN: Software-Ergonomie für Multimedia-Benutzungsschnittstellen – Teil 1: Gestaltungsgrundsätze und Rahmenbedingungen (ISO 14915-1:2002) , Beuth Verlag Berlin

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